Was braucht mein Hund wirklich? 5 Dinge, die laut Forschung zählen

Hundebetten, Spielzeug, Kauartikel: Das Angebot für Hunde ist riesig. Wir verkaufen selbst Hundefutter und sagen trotzdem ehrlich: Das meiste, was dein Hund von dir braucht, kostet nichts.

Was Hunde brauchen, ist erstaunlich gut erforscht. Verhaltensbiologen messen, ob Hunde optimistischer werden, wie sie im Schlaf Gelerntes festigen und wie viele Jahre das richtige Gewicht bringt. Fünf Dinge tauchen dabei immer wieder auf:

  1. Mehr Ruhe, als du denkst
  2. Zeit für die Nase
  3. Das richtige Maß im Napf
  4. Training über Belohnung statt Druck
  5. Deine ungeteilte Aufmerksamkeit

Zu jedem Punkt findest du die Studie dahinter und einen Schritt, den du noch heute umsetzen kannst.

1. Ruhe: Dein Hund braucht mehr Schlaf, als du denkst

Ein erwachsener Hund verschläft und verdöst den größten Teil des Tages. Hundetrainer nennen oft 16 bis 20 Stunden Ruhe, Welpen und Senioren brauchen eher mehr. Eine wissenschaftlich festgelegte Zahl gibt es nicht. Sicher ist nur: Ruhe ist keine verlorene Zeit.

Forschende der Eötvös-Loránd-Universität in Budapest haben 15 Hunden neue Wörter für bekannte Kommandos beigebracht und danach ihren Schlaf per EEG gemessen. Je mehr sogenannte Schlafspindeln das Gehirn zeigte, desto besser riefen die Hunde das Gelernte später ab. Spannend ist ein zweiter Befund: Hunde, die direkt nach dem Training gleich noch etwas Neues lernen mussten, verbesserten sich nicht.

Für deinen Alltag heißt das: Nach dem Lernen kommt die Pause, nicht die nächste Übung.

Woran du merkst, dass deinem Hund Ruhe fehlt: Er dreht abends hoch, kommt bei Besuch nicht runter oder kaut an Dingen, die sonst tabu sind. Viele Halter reagieren darauf mit noch mehr Programm. Oft hilft das Gegenteil.

Das kannst du heute tun:

  • Gib deinem Hund einen Liegeplatz abseits vom Durchgang, nicht im Flur und nicht neben der Haustür.
  • Mach mit der Familie eine Regel: Ein schlafender Hund wird nicht geweckt, auch nicht zum Kuscheln.
  • Plane freie Tage ohne Programm-Marathon. Ein Ausflug und danach ein ruhiger Nachmittag sind mehr wert als drei Termine am Stück.

2. Die Nase: Schnüffeln macht Hunde messbar optimistischer

Dein Hund erlebt die Welt zuerst über die Nase. Im Alltag darf er das aber selten: Wir bestimmen Weg, Tempo und wann es weitergeht.

Die Hundeforscherinnen Charlotte Duranton und Alexandra Horowitz haben 2019 untersucht, was passiert, wenn Hunde ihre Nase regelmäßig einsetzen dürfen. Eine Gruppe übte zwei Wochen lang täglich Nasenarbeit, die andere das Gehen bei Fuß. Davor und danach machten alle Hunde einen Optimismus-Test: Läuft ein Hund schnell zu einer Schüssel, bei der unklar ist, ob Futter drin liegt, erwartet er offenbar etwas Gutes.

Das Ergebnis: Nach zwei Wochen liefen die Schnüffel-Hunde deutlich zuversichtlicher los als die Bei-Fuß-Hunde. Die Forscherinnen schließen daraus, dass mehr Zeit zum Suchen und Schnüffeln das Wohlbefinden von Familienhunden verbessert.

Das kannst du heute tun:

  • Mach eine Runde, bei der dein Hund Tempo und Richtung bestimmt. Lange Leine, kein Zeitdruck, keine Strecke im Kopf.
  • Verstecke einen Teil der Tagesration im Gras oder in einem Schnüffelteppich. Wichtig: Das Suchfutter ziehst du von der Tagesmenge ab.
  • Lass ihn an Laternen und Hausecken in Ruhe zu Ende schnuppern. Aus den Duftmarken anderer Hunde liest er, wer vorbeigekommen ist. Für ihn ist das kein Trödeln, sondern Information.

3. Das richtige Maß im Napf: Fast zwei Jahre mehr Lebenszeit

Eine der bekanntesten Fütterungsstudien mit Hunden lief 14 Jahre. Forschende begleiteten 48 Labrador Retriever aus sieben Würfen vom Welpenalter bis zum Lebensende. Je zwei Geschwister bekamen dasselbe Futter, eines davon aber 25 Prozent weniger.

Die schlankeren Hunde lebten im Median 13,0 Jahre, ihre Geschwister 11,2 Jahre. Chronische Erkrankungen wie Arthrose traten bei ihnen zudem deutlich später auf (Kealy et al., 2002).

Das Problem: Übergewicht sieht man am eigenen Hund kaum. In den USA stufte die Association for Pet Obesity Prevention 2022 rund 59 Prozent der tierärztlich untersuchten Hunde als übergewichtig oder adipös ein. Von den befragten Hundehaltern hielten nur 17 Prozent ihren eigenen Hund für zu schwer.

So prüfst du es in 30 Sekunden: Leg die Hände flach auf den Brustkorb. Die Rippen sollten sich mit leichtem Druck gut fühlen lassen. Von oben sollte eine Taille zu sehen sein, von der Seite ein leicht hochgezogener Bauch.

Das kannst du heute tun:

  • Wieg das Futter mit der Küchenwaage ab statt mit dem Messbecher. Wie du die passende Menge berechnest, steht in unserem Ratgeber Wie viel Futter braucht mein Hund?.
  • Rechne Leckerlis mit ein. Als Faustregel gelten höchstens 10 Prozent der täglichen Energie.
  • Lass dir die Tagesmenge für Gewicht, Alter und Aktivität deines Hundes von unserem Futterberater ausrechnen.

Was außer der Menge zählt, also Zutaten und Zusammensetzung, haben wir in Woran du hochwertiges Hundefutter erkennst zusammengefasst.

4. Training über Belohnung: Druck kostet Vertrauen

Wie du mit deinem Hund trainierst, wirkt weit über die Übungsstunde hinaus. Das zeigt eine Studie der Universität Porto mit 92 Familienhunden aus sieben Hundeschulen (Vieira de Castro et al., 2020).

Die Forschenden filmten das Training und maßen das Stresshormon Cortisol im Speichel. Hunde aus Schulen mit Leinenruck, Anschreien oder Schreckreizen zeigten mehr Stresssignale wie Lecken, Gähnen und geduckte Haltung. Ihr Cortisol stieg nach dem Training stärker an. Hunde, die ausschließlich so trainiert wurden, zeigten zudem auch außerhalb des Trainings eine pessimistischere Erwartungshaltung.

Belohnung heißt nicht, alles durchgehen zu lassen. Es heißt: Du zeigst deinem Hund, was du willst, und machst es für ihn lohnend. In Österreich sind Stachelhalsbänder und Elektroreizgeräte ohnehin verboten.

Das kannst du heute tun:

  • Achte einen Tag lang darauf, wie oft du „Nein“ sagst und wie oft du gutes Verhalten bemerkst. Das Verhältnis überrascht viele.
  • Belohne in der ersten Sekunde. Kommt das Leckerli erst nach dem Griff in drei Jackentaschen, weiß dein Hund nicht mehr, wofür.
  • Nimm für Belohnungen einen Teil der Tagesration. So trainierst du viel, ohne dass die Waage es merkt.

5. Deine Aufmerksamkeit: Der Blick, der euch beide verbindet

Dein Hund schaut dich an, und du schaust zurück. Was banal klingt, hat ein japanisches Forschungsteam 2015 in der Fachzeitschrift Science beschrieben (Nagasawa et al., 2015).

Hunde, die ihre Halter während einer halben Stunde Zusammensein lange ansahen, lösten bei ihnen einen Anstieg des Bindungshormons Oxytocin aus. Die Halter wandten sich ihren Hunden daraufhin mehr zu, und auch bei den Hunden stieg der Oxytocin-Wert. Bei Wölfen, die von Menschen aufgezogen wurden, fanden die Forschenden diesen Kreislauf nicht.

Die Forschenden sprechen von einer positiven Schleife, die Mensch und Hund über Jahrtausende zusammengeschweißt haben könnte. Sie funktioniert allerdings nur, wenn du hinschaust. Mit dem Handy in der Hand bleibt der Blick deines Hundes oft unbeantwortet.

Das kannst du heute tun:

  • Geh eine Runde ohne Handy und ohne Kopfhörer. Sprich mit deinem Hund, auch wenn es sich erst komisch anfühlt.
  • Nimm dir zehn Minuten, in denen nur ihr zwei zählt: Spiel, Bürsten oder einfach nebeneinander sitzen.
  • Streichle dort, wo er es mag. Viele Hunde genießen Brust und Hals, eine Umarmung von oben empfinden einige dagegen als Bedrängnis.

Ein Tag für deinen Hund in fünf Schritten

Du musst nicht alles auf einmal umsetzen. Für den Anfang reicht ein einziger Tag, zum Beispiel dein nächster freier:

  • Morgens: eine Schnüffelrunde, bei der dein Hund das Tempo bestimmt
  • Vor dem Frühstück: Rippen-Test machen und die Tagesmenge einmal abwiegen
  • Mittags: zehn Minuten nur ihr zwei, Handy in der Schublade
  • Nachmittags: ein kurzes Suchspiel mit einem Teil der Tagesration
  • Abends: Ruhe. Liegeplatz frei, Besuch auf später verschieben

Und was ist mit dem Futter?

Gutes Futter ersetzt keinen der fünf Punkte. Es ist die Grundlage, auf der alles andere aufbaut: Ein Hund mit passendem Gewicht und guter Verdauung hat mehr Lust auf Suchspiele und schläft ruhiger.

Unser Futterberater rechnet dir für die Sorten aus unserem Sortiment die passende Tagesmenge aus, abgestimmt auf Gewicht, Alter und Aktivität.

Du bist unsicher, welche Sorte oder Menge zu deinem Hund passt? Schreib uns mit Gewicht, Alter und deiner Frage. Wir rechnen es gemeinsam durch, ohne Verkaufsdruck. Oder du startest einfach mit der nächsten Schnüffelrunde. Beides ist ein guter Anfang.

Häufige Fragen zu den Bedürfnissen von Hunden

Was braucht ein Hund, um glücklich zu sein?

Studien zeigen fünf Hebel: genug Ruhe und Schlaf, regelmäßige Zeit zum Schnüffeln, ein schlankes Körpergewicht, Training über Belohnung und echte Zuwendung durch dich. Keiner davon setzt einen Einkauf voraus.

Wie viel Ruhe braucht ein Hund am Tag?

Hundetrainer nennen für erwachsene Hunde meist 16 bis 20 Stunden Schlaf und Dösen, für Welpen und Senioren mehr. Einen wissenschaftlich festgelegten Wert gibt es nicht. Achte darauf, ob dein Hund nach Aktivität von selbst zur Ruhe kommt.

Wie lange sollte ich meinen Hund schnüffeln lassen?

Eine Mindestdauer gibt die Forschung nicht vor. In der Studie von Duranton und Horowitz wirkte schon tägliche Nasenarbeit über zwei Wochen. Ein guter Start ist eine langsame Runde am Tag, bei der dein Hund bestimmt.

Woran erkenne ich, ob mein Hund das richtige Gewicht hat?

Die Rippen lassen sich mit leichtem Druck fühlen, von oben ist eine Taille zu sehen. Ganz sicher wirst du beim Tierarzt, der den Body Condition Score bestimmt.

Was kann ich meinem Hund schenken?

Am meisten bringt ihm Zeit: eine Schnüffelrunde, ein Suchspiel, ein ruhiger Nachmittag mit dir. Wenn du etwas kaufen möchtest, wähle etwas, das einen der fünf Punkte unterstützt, zum Beispiel einen Schnüffelteppich oder einen ruhigen Liegeplatz.

Werden Hunde durch Belohnungstraining nicht zu dick?

Nicht, wenn du rechnest. Leckerlis sollten höchstens 10 Prozent der täglichen Energie ausmachen. Noch einfacher: Du nimmst einen Teil der normalen Tagesration als Belohnung.

Quellen

  • Kis, A. et al. (2017): The interrelated effect of sleep and learning in dogs (Canis familiaris); an EEG and behavioural study. Scientific Reports 7, 41873. Zusammenfassung
  • Iotchev, I. B. et al. (2017): EEG transients in the sigma range during non-REM sleep predict learning in dogs. Scientific Reports 7, 12936. Volltext
  • Duranton, C. & Horowitz, A. (2019): Nosework induces positive judgment bias in pet dogs. Applied Animal Behaviour Science 211, S. 61 bis 66. Abstract
  • Kealy, R. D. et al. (2002): Effects of diet restriction on life span and age-related changes in dogs. Journal of the American Veterinary Medical Association 220, S. 1315 bis 1320.
  • Association for Pet Obesity Prevention (2022): State of U.S. Pet Obesity. Daten
  • Vieira de Castro, A. C. et al. (2020): Does training method matter? Evidence for the negative impact of aversive-based methods on companion dog welfare. PLOS ONE 15(12), e0225023. Volltext
  • Nagasawa, M. et al. (2015): Oxytocin-gaze positive loop and the coevolution of human-dog bonds. Science 348, S. 333 bis 336. Abstract
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Über den Autor

Joel Rehak
Geschrieben von

Joel Rehak

Geschäftsführer von Lupiora

Joel ist Geschäftsführer von Lupiora und beschäftigt sich täglich mit Futterqualität, Inhaltsstoffen und den Bedürfnissen von Hunden in jeder Lebensphase. Im engen Austausch mit Tierärzten, Ernährungsberatern und Marken wie Natural Greatness sorgt er dafür, dass bei Lupiora nur Produkte ins Sortiment kommen, hinter denen er selbst zu 100 % steht.